Chris Thompson, Australien
Freitag, 31 August 2007

Übersetzung: Rainer Frohböse

Lange geschmäht und fast vergessen, das klassische Longboard kommt mit aller Macht zurück

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Führt das Revival des Longboards den Sport zurück in die Vergangenheit? Wir hoffen es! Wir würden gerne zurückkehren zu den Tagen als wir Spaß hatten am Surfen, überall und zu jeder Zeit. Zurück zu den Tagen als das Windsurfen der am schnellsten wachsende Wassersport war. Zurück zu den Tagen als zehntausende Frauen surften. Zurück zu den Tagen als es große Regattafelder bei allen lokalen Clubs gab. Zurück zu den Tagen als es noch einen ständigen Zulauf gab.

Es waren Longboards, die den gesamten Sport und den Windsurfing Boom verursacht haben. Zwölf Jahre nachdem Jim Drake und Hoyle Schweitzer den original Windsurfer herausbrachten, wurde mit 200.000 dieser Bretter gesegelt, zusammen mit mehreren hunderttausend anderen Brettern. Die Bretter, diesen Boom hervorriefen waren „Allrounder“ wie der Windsurfer One Design oder der frühe Mistral Competition. Groß, einfach und tauglich auch bei wenig Wind, waren sie perfekt geeignet, um damit Freestyle zu surfen, Freunden das Surfen beizubringen, Regatten zu fahren oder um sich einfach auf dem Wasser herumzuspielen. Der Sport war einfach und sozial und du konntest ihn an jedem See ausüben – und so machten es viele Menschen in ganz Europa und sie mussten manchmal in verschiedenen Schichten den knappen Platz auf dem Wasser teilen.

Aber in den frühen 80igern fing der Markt für „Allrounder“ sich zu sättigen und die Hersteller begannen nach etwas Anderem zu suchen, mit dem sie ihre Produktlinie erweitern konnten. Sie fanden es in den „Funboards“, die in den Gleit- und Starkwindrevieren vor Hawaii entwickelt wurden. Während die frühen Boards am besten geeignet waren, um damit bei leichtem bis mäßigem Wind zu fahren – die Windstärken bei denen die meisten Menschen üblicherweise surfen – wurde das Funboard für Starkwind gebaut. Das ultimative Funboard war der „Sinker“; ein Waveboard, das so klein ist, dass es nur bei Gleitbedingungen genug Auftrieb hat.


Die Industrie fand es unwiderstehlich. Funboards sehen in Photos und auf Videos großartig aus. Medienrummel zahlt sich aus. Und es ist immer leicht neues Material mit Schlagworten wie „schneller“, „new Style“ und „radikal“ an den Mann zu bringen. Begriffe für die alten Boards wie „einfach“, „praktisch“ oder „taktisch“ haben einfach nicht den gleichen Biss. Der „Sinker“ wurde zu dem Board schlechthin. Der Sport definierte sich neu. Ein Fahrzeug, das als Jedermanns Strandspielzeug konzipiert worden war, wurde zum Sportwagen, der bei den Experten den Adrenalinspiegel steigen lässt.

Jedes Board, ob rund oder breit, mit Schlaufen oder ohne, ist ein „Funboard“, wenn der Mensch, der damit segelt, dies zum Spaß tut…

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Ein paar Leute haben realisiert, dass - da die meisten Menschen in Leichtwindgebieten leben – man den Sport weltweit mit einem Starkwindkult nicht am Leben erhalten kann. Ken Winner war weltweit der zweite Funboard Befürworter, aber er hat bemerkt, dass das Wort „Funboard“ andere Surfer und Boards abwertet. „Jedes Board, ob rund oder breit, mit Schlaufen oder ohne, ist ein „Funboard“, wenn der Mensch, der damit segelt, dies zum Spaß tut“ hat er geschrieben. „Es ist wirklich snobistisch zu unterstellen, dass nur diejenigen, die mit einem „Funboard“ surfen, wirklich Spaß haben.“ In einem prophetischen Kommentar warnte er davor, dass der „Funboard“ Snobismus die Eigentümer alter „Planken“ dazu bringt, den Sport an den Nagel zu hängen.

Aber Ken Winners Klugheit wurde bei den meisten Meinungsführern des Sportes ignoriert, ebenso wie diese die Tatsache ignorierten, dass auf den meisten Revieren der Wind normalerweise zu schwach ist für Funboards. Sie waren so von dem Sport eingenommen, dass sie Neuheiten dringender brauchten als der Wochenendsurfer. Je einfacher es ist, die Ausrüstung und die Technik aufzurüsten desto weniger wahrscheinlich ist es, dass man den Sport durch die Brille des durchschnittlichen Surfers sehen kann, der nur einen kostbaren Tag Zeit hat, um alle zwei Wochen einmal zum Surfen auf seinem Heimrevier zu sein.

Die Prominenten, die Hersteller und Magazinschreiber flogen weiter zu Starkwindspots um neues Material zu entwickeln und zu testen. Die Tatsache, dass die Hersteller in die Starkwindgegenden abwandern mussten, unterstreicht, dass das Material das sie bis dahin entwickelt und verkauft hatten, für die wirkliche Welt mit den alltäglichen Surfern nicht geeignet war. Aber dieser Widerspruch blieb unbemerkt.

In einem Sport, der Viele wegen seines coolen Images anzog, geriet das Surfen mit einem altmodischen Brett, einem, das tatsächlich an den meisten Tagen funktionierte, gesellschaftlich ins Abseits. Shortboarder lachten höhnisch über die zickigen Freizeitsurfer auf ihren Longboards. „Sei nicht rückständig, nimm deinen Sinker mit“ annoncierte ein Magazin. Magazine druckten Abbildungen, die zeigten, wie ein erfahrener Surfer einen Sinker fahren sollte. Sie ignorierten die Tatsache, dass die kleinen Bretter kaum in den meisten Gegenden zu gebrauchen sind, und dass die Promis Longboards genauso fuhren wie Shortboards. In 1985, dem Epizentrum des Booms, beschrieb eine Weltmeisterin wie sie als Fahrerin bei Funboard Events Bodyguards benötigte, um die Fans bei Autogrammstunden zurückzuhalten. Als sie zum unzeitgemäßen Lechner Longboard und zur olympischen Klasse wechselte, waren die Windsurfing Enthusiasten so aufgebracht und haben sie öffentlich so in die Zange genommen, dass sie sich an einsame Strände zurückziehen musste.

Die „Funboard Revolution“ hat eine Weile angedauert. Viele der Surfer, die auf Allround Longboards in den Boomjahren das Surfen erlernt haben, sind in den 80igern und den frühen 90igern auf Funboards umgestiegen. Aber das neue Image des Sports war Anfängern nicht mehr länger freundlich gesinnt. Der Sport hat Anfänger prinzipiell nicht beachtet, genauso wie Windstärken unter 12 oder 15 Knoten. Während Einige süchtig auf die Bilder aus Hookipa mit Looping drehenden Promis geschaut haben, haben viele Andere beschlossen, dass dies nicht ihr Sport ist, in dem man in jedem Jahr ein neues Board haben musste, um mit der Mode Schritt zu halten. Sie haben dem Sport den Rücken zugekehrt, da sie frustriert über den Wind waren, der nie mehr so zu blasen schien, wie er es eigentlich „früher“ immer getan hatte. Sie haben nicht begriffen, dass es das Material und der Sport waren, die sich geändert haben, nicht der Wind. Wieder Andere haben die Lust verloren, weil sie des ewigen Hin- und Herfahrens auf einem kleinen Wasserstück in einem begrenzten Windbereich müde wurden.

In den 80igern und den 90igern brachen die Verkaufszahlen zusammen, aber der Sport hielt an der Linie fest, dass nur das Gleiten im Windsurfen zählt. Longboards wurden entweder ignoriert oder geschmäht.

Grundsätzlich konnte am Anfang die ganze Welt windsurfen, aber am „Ende“ konnte es niemand mehr.“ – Trip Friedman

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Familien surfen, Wallace Lake, Australien

Nachträglich haben viele der Meinungsführer diese Einsicht mit aller Klarheit gewonnen. Barry Spanier, einer der größten Namen unter den Segelmachern, hat geschrieben, dass das erste Funboardsegel (bei den Schweitzer Speed Tests im Jahre 1980) den Anfang vom Ende der Boomzeit im Windsurfen eingeläutet hat. „Irgendwie war das der Anfang vom Abstieg des Sports. Es war für uns fantastisch auf Maui, wo wir mehr als genug Wind hatten um mit Brettern Spaß zu haben, die nicht genug Auftrieb hatten. Aber im Rest der Welt, in der es selten genug Wind gibt, um die Möglichkeiten einer hohen Performance auszunutzen, hat dies nur dazu geführt, dass sich mehr und mehr Leute vom Kern des Spaßes am Windsurfen entfernt haben, da sie Material haben mussten, das nur bei Big Wind was taugt“.


Frühere Windsurfer wurden Kiter. Trip Foreman, dem von vielen US Windsurfern nachgesagt wird, er habe den Slogan erfunden, „das Windsurfen sei abgesagt“, ist ein anderer der vielen Experten die diesen Standpunkt vertreten. „Windsurfen hat die Anfänger im Hinblick auf Ausrüstung, Schulen und den Sport aus dem Blickfeld verloren“, erzählte er dem Windsurfing Magazine. Als das Windsurfen in den 70iger Jahren explodierte, konnte Jeder windsurfen. In den späten 90igern war das Windsurfen sowie die Art und Weise wie das in der Öffentlichkeit dargestellt wurde, ausschließlich ein Sport für Leute, die Zugang zu 30 Knoten und/oder 15 Fuß hohen (Anmerkung: Entspricht knapp 4 m) Wellen haben. Alles Andere schien diejenigen zu langweilen, die den Sport unterstützten. Grundsätzlich konnte am Anfang die ganze Welt windsurfen, aber am „Ende“ konnte es niemand mehr.“

Der ganze Wahnsinn spiegelt sich in den Zahlen. Es wird behauptet, dass 1985, als die Industrie noch eine komplette Board- Palette vom Allrounder bis zum Sinker verkaufte, eine Million Bretter an den Mann gebracht wurden. Heute heißt es, sind es 80.000. Sogar das Wall Street Journal hat dies festgestellt. Denn während in den frühen 80igern in den USA der Sport jährliche Wachstumsraten von 30% erzielte und 1986 mit 1,26 Millionen verkauften Boards seinen Höhepunkt erreichte, sind in den 90iger Jahren die Verkaufszahlen um jährlich bis zu 20% eingebrochen.

Breite und Hybridboards

Ende der 90iger Jahre schließlich haben einige Hersteller endlich erkannt, dass ihr Überleben davon abhängt Bretter zu produzieren, die weniger Wind benötigen. Statt das klassische Longboard wieder zu beleben, die zu Problemen in der Produktion von Schwertkästen führen und die wegen ihrer Länge von 3,60m nicht gelagert werden können, entwickelten sie breite Bretter wie den Starboard Go und die Formula Boards. Sie sind kurz, kippstabil, leicht im Gleiten und schnell beim Gleiten und einige sahen in ihnen die Rettung des Windsurfens bei Leichtwind.

Für Viele schien es, als ob die breiten Flundern der letzte Nagel im Sarg der Longboards wären. Die Beerdigung schien bereits vorüber als die Internationale Seglervereinigung (ISAF) ankündigte, dass der Mistral One Design als olympische Klasse abgelöst werden sollte, der abgesehen von einigen wenigen in Australien produzierten Exemplaren des original Windsurfers, das letzte produzierte Longboard war.

Windsurfen in der Welle mit Longboards ist das Yoga des Windsurfens… dies ist in der Zukunft genauso wichtig wie in der Vergangenheit.“ - Jeffrey Henderson

Die ISAF mag verordnet haben, dass das Longboard tot ist, aber viele Leute haben nicht hin gehört. Hunderte dieser Leute waren Regattasurfer; Longboards stellen immer noch die größte Anzahl an aktiven Regattafahrern in vielen Ländern, wenn dies auch in der Öffentlichkeit nicht bekannt ist. Einer von ihnen ist Jeffrey Henderson von Hot Sails Maui, der seit 10 Jahren 3m Tandemwindsurfer auf Maui fährt. Longboards, sagte er, haben „das ruhige Gleiten, das dem modernen Windsurfing abhanden gekommen ist. Es ist ein einzigartiges Gefühl, das dir Flügel verleiht und dir Kraft schenkt anstatt dich zu ermüden. Windsurfen in der Welle mit Longboards ist das Yoga des Windsurfens… dies ist in der Zukunft genauso wichtig wie in der Vergangenheit.“

Ein dritter Typ ist Tor Bakke, ein Veteran des Sports und der Industrie, der sich sieben Jahre lang dafür eingesetzt hat, dass ein Hersteller den Sport an seinen Ursprung zurückführt – mit einem einfachen One Design Regattabrett, mit Gewichtsgruppen und ohne Pumpen.

 

Der Kona One, das erste und beliebteste neue Longboard

Gerade einmal einige Monate nachdem das Longboard für tot erklärt wurde, zerbrach der Sarg auf spektakuläre Art und Weise. Der RSX brachte das Hybrid Konzept ins Rampenlicht und es wurde deutlich, dass breite Bretter in vielerlei Hinsicht zwar großartig sind, sie aber doch nicht die einzige Möglichkeit darstellen um zu surfen. Sie laufen nur im überpowerten Zustand mit großen Segeln, sind nicht geeignet für Anfänger und nicht wirklich schnell bei leichtem oder drehendem Wind. Die verschiedenen Hybridboards sind gegenüber Longboards meist nicht konkurrenzfähig.

 Im Jahre 2005 wechselte Tor Bakke zu EXOCET und er konnte schließlich das Brett bauen, von dem er geträumt hatte, den KONA One. Dies ist teilweise ein original Windsurfer, teilweise ein Hybridboard und teilweise ein Slalomboard. Und mit pfiffigem Styling und Marketing ist es ein Hit von Beginn an. Der Erfolg des KONA One – von dem nun gesagt werden kann, dass es das meistverkaufte Brett in der Welt ist - führte EXOCET zu einer Verselbständigung des gesamten Unternehmensbereiches mit den KONA Longboards.

Ungefähr zur gleichen Zeit erklärte Mistral, dass sie mit der Unterstützung des IMCO Longboards fortfahren wollen und Starboard brachte den Serenity heraus, möglicherweise das längste je produzierte Surfbrett. Nie wurde ein so auf Leichtwind getrimmtes Brett produziert wie der auf zwei Seiten gleiche Serenity. Es war ein Signal, dass eine der einflussreichsten Brettmarken meinte, ein Leichtwind Longboard müsse wieder eingeführt werden. KONA und Starboard, beide brachten Tandems heraus. Und mit der Erkenntnis, dass Hybridboards nicht mit Raceboards mithalten können, entwickelten sowohl EXOCET als auch Starboard neue Raceboards mit voller Länge.

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Der Exocet Warp X-380, eines der ersten neuen Raceboards – konkurrenzfähig gegenüber den alten Boards wie Equipe oder Cat.

Drüben in Maui begann Hendersons Konzept des Windsurfens in der Welle mit Longboards durchzustarten indem einige Hersteller ihre langen Paddelboards mit Mastschienen (englisch: Stand-Up Paddleboards, kurz SUP) ausrüsteten. Diese SUP Boards kommen ohne Schwert aus, wodurch Kosten und Gewicht reduziert, jedoch auch die Am-Wind Eigenschaften und die Vielseitigkeit beeinträchtigt werden. Sie haben eine Rocker Linie und Dimensionen, die eher zum Paddeln und Wellensurfen als zum Flachwassersegeln taugen. Aber auch wenn sie nicht als vollwertige Longboards bezeichnet werden können, so folgen sie doch dergleichen Philosophie, der Idee nämlich, dass wir nicht die idealen Bedingungen benötigen und dass der wahre Maßstab für die Performance im Spaß auf dem Wasser zu messen ist, nicht in Knoten oder Kilogramm. Die SUPs könnten zu einer großen Begeisterungswelle für das „wirkliche“ Longboard Windsurfen führen.

Sogar die Promis sprechen über die Langen. Scott McKercher hat dies mit einem Starboard SUP bei einem PWA Event in der Welle gezeigt. Kevin Prichard hat nach einem Longboard Freestyle Wettbewerb während der Pro Tour verlangt.

Und so haben sich Longboards innerhalb von zwei Jahren von einer daniederliegenden Spezies steil nach oben entwickelt. Heute kannst du rund ein Dutzend Longboards kaufen, noch nicht einmal die SUP Longboards mit Mastfuß mitgezählt. Es gibt das höchst spezialisierte Leichtwindbrett, das es jemals gab, eine ganze Palette Longboards einfach zum Windsurfen, ein Longboard für Freestyle- Spezialisten und Bretter für die meisten Wettkampfbedingungen. Das Longboard ist zurück und es ist an der Zeit dafür einzutreten.