Eine spannende und unter sehr schwierigen Segelbedingungen
ausgetragene Weltmeisterschaft ging mit dem gestrigen Final-Rennen zu Ende. Zu
Buche steht ein hervorragender 9.Platz in einem Teilnehmerfeld von 76
Windsurferinnen aus 20 Nationen.
Diese Weltmeisterschaft war ein Wettkampf geprägt von
Frustration und Freude. Selten lagen Glück und Pech, Erfolg und Misserfolg so
dicht beieinander. Für die meisten Segler ging es in die heiße Phase der
Olympia-Qualifikation, Nationenplätze mussten ausgefahren, Kriterien erfüllt
und Konkurrenten aus dem eigenen Landen mussten geschlagen werden.
Die Segelbedingungen, die wir in Cascais vorfanden,
sorgten für einen Krimi auf dem Wasser. Stahlharte Nerven und Geduld waren
gefordert. Man musste sich auf alles einstellen, mal starteten wir um 13Uhr,
mal um 19.30Uhr.
Auf den drei Innenbahnen, die sehr dicht unter der
Steilküste lagen, variierte der ablandige Nordwind nicht nur in seiner Richtung
(30Grad-Dreher waren die Normalität), sondern auch in seiner Stärke. Innerhalb
von Sekunden musste man sich von 25 auf 5 Knoten und umgekehrt einstellen.
Derjenige, der weiß wie schnell ein Surfbrett ist, wenn es gleitet, weiß was
das für uns bedeutete. War man in einer Bö, konnte man vom hinteren Drittel des
Feldes auf die vorderen Plätze fahren. Hatte man das Pech, die Luvtonne zu
runden ohne Bö, so konnte man meist nur zuschauen, wie plötzlich schon längst
geschlagene Konkurrenten in einem großen Bogen an einem vorbeifuhren, ohne dass
man etwas dagegen unternehmen konnte. Aber somit war auch ein Comeback niemals
ausgeschlossen.
Der Schlüssel zum Erfolg war eine halbwegs konstante Serie
zu segeln, sich keine großen Ausrutscher zu erlauben. Von den geplanten 11
Rennen konnte man am Ende nur eins aus der Wertung herausstreichen. Ich begann
meine Serie mit zwei sehr guten Wettfahrten, musste jedoch am 2.Tag einen
herben Rückschlag einstecken: Disqualifikation am Abend im Jury-Raum für die
3.Wettfahrt. Es kam in dieser Wettfahrt zu einer Situation mit einer
israelischen Surferin, die für mich keinen Anlass sah, einen Protest
einzureichen. Es gab keine Berührung, keine Kollision und ich dachte, ich hätte
mich den Regeln entsprechend fair verhalten. Leider sah das die Israelin anders
und reichte Protest gegen mich ein. Am Verhandlungstisch entschied die Jury
gegen mich und ich musste nach einem langen Tag akzeptieren, dass ich nun diese
drei Buchstaben DSQ in meiner Serie hatte.
Für die folgenden Wettfahrttage bedeutete das, keine
Risiko eingehen, kein Frühstart, konstant gute Ergebnisse segeln und starke
Nerven bewahren.
Das hab ich geschafft und ich bin sehr glücklich und stolz
auf dieses Ergebnis. Ich kämpfte mich Tag für Tag weiter nach vorn. Vor dem
letzten Tag war ich auf Platz 10. Es standen noch 2 Wettfahrten aus, in denen
es um den Einzug in das Medal-Race für die besten 10
ging.
Mit zwei guten Wettfahrten verbesserte ich mich sogar auf
den 8.Platz und konnte mich so über einen Platz im Medal-Race
freuen!
Dieses Finalrennen wurde am nächsten Tag direkt vor der
Hafeneinfahrt ausgetragen. Wir warteten auf dem Wasser 1 Stunde darauf, dass
sich der Wind halbwegs stabilisierte. Dann wurde gestartet und das Rennen stand
unter dem Motto: „Die letzten werden die ersten sein“.
Nach einem Superstart und einer guten ersten Kreuz lag ich
an dritter Position. Die Polin, die souverän die Gesamtwertung anführte, lag
abgeschlagen auf dem letzten Rang. Zur Mitte des ersten Vorwindkurses wandelte
sich das Bild schlagartig. Die 3 führenden Surferinnen steckten in einem
Windloch fest, während oben an der Luvtonne eine kräftige Bö einsetzte. Noch
ehe wir uns versahen, segelten die anderen Kreise um uns. Wir verloren unsere
gute Ausgangsposition und nun lag es an mir, den verlorenen Rückstand wieder
aufzuholen. Leider hab ich in diesem Rennen das Comeback nicht mehr geschafft.
Die Polin gewann das Medal-Race, ich fuhr
zähneknirschend als 10. über die Ziellinie.
Nach einem kurzen Moment der Enttäuschung gab es nun für
mich jedoch allen Grund zur Freude. Ich hatte mein Ziel für diese
Weltmeisterschaft erreicht. Vielleicht hatte ich vor der WM mit einem besseren
Resultat geliebäugelt, muss aber nun im Nachhinein sagen, dass mein 9.Platz
unter diesen schwierigen Segelbedingungen ein hervorragendes Ergebnis ist.
Auf dem Weg zu den Olympischen Spielen bin ich nun einen
Schritt vorangekommen, ich habe den ersten Teil der geforderten
Leistungsnachweise erfüllt. Als Bonus bin ich nun auch dieses Jahr in China
dabei, und kann mir bei den Pre-Olympics im August in
Quindao ein erstes Bild von dem Olympia-Revier
machen, von dem ich schon soviel gehört habe…
Viele Grüße aus Cascais,
Romy