Das Unternehmen Slalom WM 2006 Alacati

 

30.07. Westerland auf Sylt: Nach Kursrennen Nummer 14 ging gegen frühen Nachmittag die Deutsche Meisterschaft zu Ende und es galt für Uwe Sülter, Jörg Volenec und Michael Naumann schnell die Sachen zusammen zu packen und die Insel fluchtartig zu verlassen. Der Zeitplan war straff, denn der Flieger sollte nachts 1.10 Uhr in Hannover abheben. Um 17.50 Uhr erreichten wir mit dem Autozug das Festland und fuhren zum Zwischenstopp nach Hamburg, um dort unser Slalom Equipment flugtauglich zu verpacken und in einem gemieteten Transporter gemeinsam nach Hannover weiter zu düsen. Kurzzeitig versetzte uns zähflüssiger Verkehr rund um Rendsburg einen Schrecken. „Just in Time“ erreichten wir kurz nach 23 Uhr den Flughafen. Nun schnell die Tickets abholen und zuerst das Übergepäck einchecken lautete der Plan. Das Flughafenpersonal staunte nicht schlecht bei dem Blick auf den Materialberg und gab uns den logistischen Tipp auch die Reisetaschen am Sperrgepäckschalter mit aufzugeben, damit alles gemeinsam ankommt.

 

       

 

Nach kurzer Verschnaufpause im Bistro hoben wir pünktlich ab, landeten 5.30 Uhr lokaler Ortszeit in Izmir und schlugen „straight“ zum Frühstück in Alacati auf. Die erste Hürde war gemeistert und so freuten wir uns auf den heutigen Tag zum freien Training.

 

Als Hiobsbotschaft müssten wir allerdings erfahren, dass Birgit Höfer, die Vierte vom Deutschen Team vor Ort, bei einem Crash mit einem Tschechen durch eine Rippenprellung stark lädiert wurde und bedingt durch Schmerzmitteleinnahme einen Allergieschock erlitt, der sogar zu einer Freifahrt mit dem Rettungswagen zu einem eintägigen Krankenhausaufenthalt führte.

 

          

 

Den Vormittag verbrachten wir mit Auspacken, Einschreibung und Segelsticker kleben, bevor es an die Reviererkundung und erste Vergleichstests und Matches mit weiteren Teilnehmern ging. Am Abend fand bei gutem Essen die Eröffnungszeremonie mit allen Topstars, Sponsoren und Organisatoren im Poolbereich des Club Hotels One Ressort Ephesus statt.

 

 

 

Der erste Wettkampftag begann um 10 Uhr mit dem Skippersmeeting. Neben dem Männer- und Frauenfeld, konnten die Junioren und Master auch in extra Feldern an den Start gehen. Uwe und Jörg waren also im Doppelten Einsatz unterwegs und hatten im 22 Teilnehmer starken Masterfeld zusätzlich ihren Spaß. Punkt 11 Uhr begann die erste Elemination. Micha in Heat 1 zusammen mit Ben van der Steen (NED-57), Peter Volwater (NED-24) und Daniel Ellis (GBR-52), Jörg hatte mit Björn Dunkerbeck (AND-11) und Finian Maynard (KV-11) das Vergnügen, während Uwe sich mit Steve Allen (AUS-0) und Patrik Diethelm (ITA-120) auseinandersetzen musste. In jedem Heat starteten 10 Fahrer, von denen jeweils die besten Fünf ins Viertelfinale einzogen.

 

  

 

Micha scheiterte knapp als 6ter, Jörg und Uwe konnten die Hürde ebenfalls nicht meistern.

Das Niveau der 74 Teilnehmer im Herrenklassement war extrem hoch. Eine Sekunde am Start verzockt bedeutete Hinterherfahren und Ausscheiden in der ersten Runde.

Anschließend folgten die Viertelfinalläufe, Master-, Youth- und Damenelemination, bevor das „Loosers-“ und „Winnerfinal“ ausgefahren wurde. Den Zuschauern stockte der Atem als auf der Zielgeraden Antoine Albaeu (FRA-192) den mit 30 Metern in Vorsprung liegenden Finian Maynard (KV-11) mit einem Leedurchbruch attackierte. Auf gleicher Höhe rasten beide Finalisten auf die Zielboje zu. Finian versuchte Antoine nach Lee zu pressen. In letzter Sekunde gab Antoine nach, um einen Crash in die Zielboje hinein zu vermeiden und Finian halste als erster durchs Ziel. Spannung pur!!!

 

 

 

Nach kurzer Pause und neuem Auslosen der Vorläufe begann das Spiel von Neuem. Micha wieder in Heat 1 verpasste durch zu konservative Starttaktik den Einzug ins Viertelfinale, ebenso wie Uwe und Jörg. Birgit ließ es sich nicht nehmen in den ersten 3 Damenläufen zu starten, gab danach aber - geschwächt durch zahlreiche Infusionen und Schmerzen - auf, da an eine normale Leistung nicht zu denken war und die Gesundheit dann doch im Vordergrund stand.

 

Nach drei Eleminations im Masterfleet lagen Jörg und Uwe nach dem ersten Tag auf Platz 6 und 14.

 

 

 

Zweiter Tag neues Glück! Der Wind stellte sich, wie schon an den vorherigen Tagen, ab 10 Uhr ein. Leider wehte er nicht mit der üblichen Konstanz, so dass       nur eine dritte Elimination gefahren werden konnte. Es wurde zwar eine vierte Elimination mit sämtlichen Vorläufen gestartet bei denen Micha und Jörg endlich ins lang ersehnte Viertelfinale einzogen, welches aber aufgrund zu schwachen Windes nicht mehr durchgeführt werden konnte. Jörg hatte dabei ein Erlebnis der besonderen Art, da er direkt im Anschluss an das Masterfinale Nr. 5 in Heat 1 der Männer ausgelöst war. So raste er „in the line of fire“ von der Ziellinie zum Startboot. Gerade noch pünktlich lief der Start in all der Aufregung nicht ganz nach Plan und er hatte vorerst das Nachsehen. Als 6ter an der ersten Halsentonne attackierte er von hinten und schaffte die Quali. Nach Pleiten, Pech und Pannen in den ersten drei Läufen, setzte Micha nun auf eine aggressivere Starttaktik und schoss in Lee von Gonzalo Costa Hövel (ARG-3) mit als erster über die Startlinie. An Tonne 1 hieß die Reihenfolge Gonzalo, Micha gefolgt von Kevin Pritchard (US-3). Micha: „… ein Wahnsinns Gefühl mit Puls auf 180 in mitten der Topstars um die Tonne zu heizen!“    

 

 

 

Der folgende Tag begann mit warten auf Wind. Am späten Nachmittag wehten jedoch  9 bis 14 kn, so dass ein paar Startversuche für die Viertelfinalläufe gewagt wurden. Aufgrund von unkonstanten Bedingungen am unteren Windlimit wurde der Regattatag jedoch ohne weitere Ergebnisse beendet. Für die letzten zwei Regattatage sah die Windvorhersage allerdings eher bescheiden aus. Nach zwei Tagen Strandurlaub ging die Weltmeisterschaft am Samstagabend mit der feierlichen Siegerehrung zu Ende. Die Gewinner hießen bei den Herren Finian Maynard (KV-11) vor Antoine Albeau (FRAU-192) und Kevin Pritchard (US-3). Im Damenklassement gab es eine Überraschung mit Verena Fauster (ITA-31) in Führung vor Karin Jaggi (SUI-14) und Allisson Schreeve (AUS-911). Die Masterwertung ging mit Massimo Masserini (ITA-7) ebenfalls nach Italien und Jugendweltmeister wurde Pascal Sommers (BEL-7) aus Belgien. Das deutsche Team beendete die WM mit Micha auf Platz 49, vor Jörg als 54ter (6ter Master) und Uwe als 62ter (16ter Master).

 

    

 

Mit den positiven Erlebnissen der WM hatten die Drei den Supercoup geplant, und sich zusätzlich beim Pro/Am Slalom auf Fehmarn angemeldet. Sie wollten die nationalen Surfkollegen überraschen und nach einer durchzechten Nacht im Flieger direkt zum Skippersmeeting um 8.30 Uhr am Sonntag dort auftauchen. Aus Spaß am Sport hatten sie die Idee, die letzten Matches dieser Veranstaltung zum krönenden Abschluss mitzusurfen, um den Trip mit dem gleichen straffen Zeitplan zu beenden, wie er auf vor einer Woche auf Sylt begonnen hatte.

 

 

 

Leider waren nicht alle Jungs von unserem Supercoup begeistert, so dass wir die verbleibenden Windstunden auf Fehmarn zum lockeren Aussurfen neben der Wettkampfbahn des Pro/Am Slaloms nutzten.   

 

Ein freundliches Hang Loose          

 

Birgit, Uwe, Jörg & Micha